Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1914)
- Article
- Von der literarischen Kritik in der ostjüdischen Literatur
- Date
- 1914-07-01
- Page
- 240 (sequence 6)
- Language
- German
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140 j. A. Loubtteki, Von der Kterärie»ehim Kritik m der oitj'üduiebeii Literatur m i e r i l l j 11111 e 11 m n m r 111......f r i m 11 m 1111 n n 111 r 11 m e 1111 n ¥ m j u t t 111 r e m n......i i m 111 m 111 m 111 u f.....i im n 11 f i m i e 11 m m 11 m 11 m 1111 l 11 n u u m u 11 f 111.......n i( 11 e m tf i m chens näher tritt, dann bemerkt man, daß diese von vornherein schlecht präzisiert und übertrieben ist. Baal Machsehuwes sieht Gespenster am hellichten Tage. Es ist wahr, daß kleine jüdische Städtchen bereits untergegangen sind. Dies war jedoch nur in Böhmen und Mähren der Fall, also in Ländern, in denen der jüdische Bewohnerstand schon immer ein ganz geringer gewesen ist. In Rußland dagegen, wo sich noch große jüdische Bevölkerungszentren befinden, ist das jüdische Städtchen weit entfernt vom Untergang, da es kompakte geschlossene Judengemeinden besitzt. Und wenn unser Kritiker trotzdem behauptet, dal? das jüdische Städtchen dem Aussterben entgegen sieht, dann beweist dies nur, daß er einen schwachen kritischen Blick hat und mit Tatsachen nicht zu rechnen versteht. Wenn man jetzt in der jüdischen Literatur die Großstadt spürt — aber auch das ist noch fraglich — ist es nicht darum, weil die Kleinstadt zu existieren aufgebort hat, sondern weil die jüdische Großstadt den wahrhaft großstädtischen Charakter angenommen und daher an Interesse gewonnen hat* Aber von Untergang und Absterben der Kleinstadt im Leben und in der Literatur zu reden* liegt gar keine Ursache vor. Wir geben zu, daß in die Kleinstadt neue Ideen und Lebensinhalte eindringen, was sich ja auch in der Literatur abspiegelt. Bei ihrem Eindringen aber müssen sie ein kleinstädtisches Antlitz annehmen. Es bleibt also im Grunde dieselbe Provinzialpsyche wie vorher, nur mit dem Unterschied, daß sie sich nicht mehr mit dem * Schulhof* wie früher, sondern mit Profanem, mit Nahrungssorgen beschäftigt. Es handelt sich also nur um eine formale und nicht um eine wesentliche Veränderung. Das Städtchen lebt im Leben und in der Literatur. Bis jetzt hat uns die Kleinstadt den größten Teil der jüdischen Schriftsteller gegeben; in ihr sind sie geboren und erzogen worden. Und daher ist es auch nicht richtig, wenn Baal Machschuwes sagt, daß sich bei vielen von ihnen das Echo der Großstadt hören läßt, weil Asch, Nomberg und Reisen Großstädte in ihren Werken erwähnen. Dies ist eine bloße polizeiliche Meldung, daß der Held in der und der Straße von der und der Großstadt wohnt. ^Vo aber hören wir in diesen ^Verken den künstlerischen Widerhall der Großstadt* Originals by courtesy of Dr. Anatol Schenker