Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1914)
- Article
- Von der literarischen Kritik in der ostjüdischen Literatur
- Date
- 1914-07-01
- Page
- 237 (sequence 3)
- Language
- German
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J» A. Lmibtifalti, Von der tlt#r§.rt#al*#si Kritik in dtar «w^jilcl»»!*« Litarotur St§?" fltftltttlHtfMttflHHjtfHltitM^^^ Schaffens feilzubieten* Aber alF diese Reden über die Heiligkeit der Kunst haben nur den einen Zweck, dem Leser Sand in die Äugen zu streuen, damit er ja nicbt einsehe«, wie schwach und unbeholfen unsere Kritiker in Angelegenheiten der Kunst sind, und sich in ihren Kritiken mit allem Möglichen und Uberflüssigen beschäftigen, nur nicht mit Kunst. Das unbewußte Schafifen ist ein geheimnisvolles Weben, tief und heilig, und es würde sicherlich Seide Profanierung bedeuten^ wollte man dieses Schaffen in drückende Ketten von Regeln schmieden. Aber das Leben ist meiner Meinung nach nicht weniger geheimnisvoll und nicht weniger heilig als die Kunst, und doch fällt niemandem ein, über die Naturforscher zu lachen,, die der Heiligkeit des Lebens unbefangen und offenen Auges gegenüberstehen und mit allen Kräften in seine Rätsel einzudringen suchen. Niemandem von uns wird es je einfallen, dal? das Leben durch die vielen neuen Gesetzmäßigkeiten des Lebens, welche die Naturforscher ans Licht gebracht haben, etwa alltäglicher und entweihter werde. In der Kunst jedoch stehen ihre Beobachter da — Kritiker nennt man sie — und konzentrieren ihre ganze Beobachtungkraft auf Nebensächlichkeiten und Nebenerscheinungen. Und wenn jemand exakte Begriffsbildung bei Definition der Hauptmomente in der Kunst fordert, dann hört man mit einem Male den Tumult der vereidigten Kunsthüter: »Hände weg vom Heiligtum! Die Kunstmaterie ist tief und ihre Erscheinungen geheimnisvoll. Allee Forschen nach diesem geheimnisvoll-heiligen Born ist Entwürdigung,* Selbstverständlich werden wir von dem zeitlich ersten Kunstkritiker nicht verlangen, daß er sich mit einem Male vom traditionellen Sehen und Beobachten befreie, dal? er von der überlieferten Heiligsprechung der Kunst aus Unwissenheit mit einem Male loskomme und das zu schaffen beginne, was Zeitalter vor ihm vernachlässigt hatten; aber ein Streben klar zu sehen, eine Kraftanstrengung den alten Ballast untauglicher Kunstanschauungen von sich zu schütteln, ein Bemühen um aesthetische Wertung müssen wir von jedem Kunstkritiker fordern, der sich Originals by courtesy of Dr. Anatol Schenker