Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1914)
- Article
- Notiz zum Schaffen Oskar Baums
- Date
- 1914-07-01
- Page
- 232 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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- IRI
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232 Max Brod, Notiz zum Schaffen Oakar Baums ) M L 31: M M M11U LI i M E1 E L11: U19! 111L 31M11.....1 f 131131 i M M P L ] H1 MI i t j 11! M M1 i h ] IL13 1111^ 11MI i IM E M hl 11!.....M11 i i b J i MIMIM111M1L S M i IM k M11P1M111E L M E L i L ] M i M! 111M11.....IM logie seines eigenen Schafifens. Nur daß sein Schafifen nicht müßiges Träumen bleibt, sondern verwobenes Leben, Kraftäußerung an Wirklichkeiten, Expression seiner leidenschaftlichen Künstler* formungskraft. Nichts ist ihm natürlicher als Menschen zu er~ finden, Situationen entstehen zu lassen, ganze Heere von agierenden Geschöpfen gegen einander zu führen* Er arbeitet gleichzeitig an zehn Romanen, an fünf Dramen. Sein erstaunliches Gedächtnis unterstützt ihn dabei. Täglich entwirft er eine große Handlung, irgend etwas, was sich in Zimmern und Gassen, zwischen * leidenden Personen, unter Verwandten, Brüdern, Freunden, Mad~ chen, Offizieren, Räubern abspielen muß. Er denkt in Gesprächen. Die unausgeführten Skizzen bleiben liegen, füllen die Kästen. Eine sorglose Fruchtbarkeit erschüttert immer wieder aufs Neue dieses Gehirn. Und dann greift es plötzlich, ihm selbst kaum bewußt, tiefer ein, die Einfälle kommen nicht mehr kreuz und quer, sondern reihenweise, in einander verflochten, einander aufbauend und steigernd. Und nun setzt das Wunder seiner Blindheit neuerlich ein. So wie sie ihn förmlich zwangweise mit einer Flut von Szenen, dichterischen Details überschüttet, so stellt er sich nun gegen sie und zwingt ihr die Tiefe, die Kontraste, das Leben, die Räumlichkeit ein. Sie hatte ihn nur mit der Nadel geritzt, er gibt es ihr mit dem festen Meißel des Bildhauers zurück. Dies ist sein Eigentlichstes, Intensivtes; daß er in der Lust des Aufbauens zu einer vollen Freiheit, zu einem scheinbar mühelosen Sieg über sein Gebrechen, zur vollen Auschwingung seiner Gestaltungsmöglichkeiten kommt. Die Konsequenz, mit der er sich nicht in irgend einen Lebensvorfall, sondern in das ganze Schicksal seiner Figuren einlebt, in ihre finanzielle und psychologische Situation, in ihre Beziehungen zu einem sehr großen Menschenkreis, in ihr Land und ihre Zeit: das macht ihn zum wahrhaft großen Erzähler* »Die Lust zum Fabulieren« mag sich zu einem Teil von seiner Blindheit herschreiben; aber dieses In-die-Tiefe-und-in-die-Breite-Gehn, das ist sein ganz besonderer seelischer Besitz. Gleich in seinen ersten Novellen * Uferdasein« tritt er mit diesem eigentümlichen erobernden Griff auf, der aus sich heraus nicht Originals by courtesy of Dr. Anatol Schenker