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Die Freistatt · 1914-07-01 · Heft 4 (Juli 1914) · p. 231

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Journal
Die Freistatt
Volume
2 (1914)
Issue
Heft 4 (Juli 1914)
Article
Notiz zum Schaffen Oskar Baums
Date
1914-07-01
Page
231 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Mm Brod, NcMrt* tum Schaffen O^kar Baun» 231 WMim wiici von ihm abstrahierend, in Baum nichts anderes sehen wollten iili einen gemeinen Geschichten-Erzähler, noch dazu realistischer! yhnervimz. Einige nicht wegzuleugnende Ungeschicklichkeiten lind Oberflächlichkeiten in Baums ersten Büchern kamen ihnen gii Hilfe, so sollte es denn wahr sein, dal? kein ernstliches Wollen und Denken durch sein Werk geht, dal? es sich ihm nur um mm paar nackte Tatsächlichkeiten und seltsame Zusammenstöße iifindej|. Ich bin nicht Ästhet oder irgend welcher Theoretiker genug, um zu leugnen, dai? aus Baums Blindsein und aus seiner Blindengrfahrun^ an sich selbst wie an unzähligen Schicksalsgenossen ein Neuartiger stoffllicher Reiz seiner W'erke folgt. —- In der Vorrede, mit der ich sein erstes Buch einleitete, habe ich diesen Reiz #€>§far allzu ausschließlich in den Vordergrund gestellt. Ich sprach damals von den neuen Konflikten der blinden gegen die sehende Welt, die sich ihm darbieten, von der wunderbaren Anschaulichkeit seiner unanschaulichen Welt, von all dem Eindrucksvollen, das man über Werkzeuge, Taschenuhren, Visionen. Wollungen der Iiiinden erfährt All dies bleibt richtig. Aber es ist mir heute wicht mehr das Wichtigste an der Persönlichkeit Baums. Und dennoch hängt auch dieses Wichtigste, das ich jetzt an ihm sehe, mit seinem Blindsein zusammen, wie eben Seele und Körper zuunmenhängen. — Da mir nämlich heute vier Bücher Baums und viele ungedruckte Werke vorliegen, hat sich meine Ansicht über ihn mehrfach ergänzen müssen. Ich glaube jetzig daß sein Eigentümlichstes, Wesentlichstes (wie schon im ersten Absatz hier angedeutet) die neue eigene W^elt ist, die er in seiner Seele aufbaut, und die Energie, mit der er sich diesem Aufbauen als einem ganz innerlichen Bedürfnis hingibt. In seiner Novelle »Von den Tagen des Arbeitslosen« hat er selbst geschildert, wie ein Blinder, der viel allein ist, eine phantastische W^elt rings um sich schafft und sich in ihr bald sicherer bewegt als in seiner realen Umgebung. Diese Novelle, (deren Grundidee Baum in seinem letzten, nocK ungedruckten W^erk nw Gigantische vergrößert hat) gibt einen Hinweis auf die Psycho- Originals by courtesy of Dr. Anatol Schenker

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