Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1914)
- Article
- Zur jiddischen Theaterfrage
- Date
- 1914-07-01
- Page
- 227 (sequence 4)
- Language
- German
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jL M. K&nulft, Zur jidThttatwrirag« flf »MMfJfiflW Presse von Ignoranten behandelt die, wenn sie nicht direkt schaden, Joch sehr selten Wegweiser sein können. Eine kleine Ausnahme bildet hierin Rußland und New-York. II Hat die jüdische Bühne Daseinsberechtigung (woran heute kein Mensch mehr zweifelt), so muß sie sich einer gründlichen Reform unterziehen. Die heutigen Zustände sind unhaltbar. Es ist ein Irrtum, zu glauben, daß Agitation hier viel ausrichten könnt«. Ebenso nutzlos wäre der persönliche Einfluß. Wieder besuchen die Massen das Theater aus nationalen Erwägungen, noch npielen die Direktoren aus idealen Motiven. Bei allen Bemühungen wird das Theater doch ein Laden, der Waren nach dem Getchmack des Publikums verkauft. Jedenfalls verstehen nur Einzelne den Wert und die Aufgabe eines Nationaltheaters. Die Masse fühlt sich gewiß wohl bei etwas Besserem — wenn man es ihr bietet. Selbst aber das Gute heraus zu finden und es zu fordern dazu ist die Masse unfähig. Diese Aufgabe muß jene Hand auf sich nehmen, die uns mit Schulen, öffentlichen Anstalten, Museen, Gärten etc. versieht — die Gesellschaft. Andere Völker haben das schon längst begriffen. Den Juden aber ist diese Ein- «cht noch fremd. Aber welchem Volk tut das Theater mehr not ila den Juden, denen doch die nationale Schule und die nationalpolitische Macht fehlt! Ehemals war die Synagoge eine nationalkulturelle Macht. Nun stehen wir auf ihren Trümmern, und was geblieben ist, ist dem Zusammensturz nahe. Das jüdisch-nationale Theater könnte ein natürlicher Erbe der Synagoge werden. Das jiddische Theater muß aufhören ein Privatinstitut zu sein, Denn ein Privatunternehmen wird sich um das Künstlerische kaum kümmern. Ein künstlerisches Theater fordert große Ausgaben und bringt wenig ein* Die Gesellschaft muß das Deficit decken. Davon missen alle Kulturvölker zu erzählen. Eine große Stiftung oder ein Fonds allein vermag dem jiddischen Theater eine reale Grundlage zu geben. Bis man zu dieser Einsicht kommen wird, mag noch viel Zeit vergehen. Bei einigem guten Willen jedoch könnte man heute schon soviel Opferwilligkeit finden, um vermittelst eines Originals by courtesy of Dr. Anatol Schenker