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Die Freistatt · 1914-07-01 · Heft 4 (Juli 1914) · p. 225

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Journal
Die Freistatt
Volume
2 (1914)
Issue
Heft 4 (Juli 1914)
Article
Zur jiddischen Theaterfrage
Date
1914-07-01
Page
225 (sequence 2)
Language
German
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j. M. Komil«, Zur jtddlwal»#t* Ttwiit^rlrmg^ ff# »WiliWMtlfMHMH« Repertoire mit Ibsen und Maeterlinck zu bereichern, wurde es plötz* Iicli wieder von den primitivsten Hanswurstiaden überschwemmt. Was ist die Ursache davon? Da« Hauptrepertoire besteht meistens aus biblischen und historistehen OpereÄen, die von unwissenden »Gelehrten« für naive Frauen verfaßt sind. Abgesehen von einigen schlichten, anspruchlosen bib-!t*ehen Motiven, nachgedichteten Volksstücken mit Musik von Goldfaden sind alle diese Opereßen gestohlene Inhaltsangaben aus Sensation eilen Romanen, verbrämt mit ebenfalls gestohlenen Melodien. 3b entstand die »originelle« jüdische Opererle, richtiger ausgedrückt, ein gewisse Art Theaterstücke, die in der Literatur der Völker k^um ihres Gleichen haben. Die jüdische Operefte ist für eine OpereÄe zu ernst, für ein Volksstück mit Musik und Tanz zu hoch, für eine Musikdrama zu flach. Die Epoche der Reformen hat zwar einige wahre Volksstücke geschaffen, aber deren literarischer "Wert ist sehr anfechtbar. Die Theaterdichter schreiben nur Rollen, aber keine Dramen. Gordin hat alle seine weiblichen I leidenrollen für Frau Lipzin geschrieben, Kobrin schreibt für Jakob Adler, A. Schomersohn für Rudolf Schildkraut, ehrlicher m dieser Beziehung ist schon David Pinski. Aber die Zeiten ändern «ich. Ein Dichter wie Schalom Asch stellt seine Kraft in den Dienst des jiddischen Theaters. Aber außer dem »Gott der Rache* Bind seine Stücke Literaturdramen. Und nicht besser geht es den neuesten Schöpfungen von Perez und Hirschbein. Ihre Dramen übersteigen das Verständnis des Theaterpublikums. Trotz aller Bemühungen sind sie entweder gar nicht auf die Bühne gekommen oder hatten nur sehr mäßigen Erfolg. Es beginnt wieder das alte Spiel. Man kehrt zu Goldfaden, Lateiner und Gordin zurück und es entsteht ein Durcheinander: weder Publikum noch Schauspieler sind zufrieden* Die Direktoren verlieren den Kopf: man verlangt nach Besserem, aber Schund bringt Geld ein. Die Schauspieler lachen über die Strohrollen und die Sucht nach Applaus treibt sie zu einem Tänzchen. Man führt Ubersetzungen aus Shakespeare, Schiller, Ibsen, Strindberg auf, aber das Volk aehnt sich nach originelljüdischen Themen. Da verweben die Ä utoren in ihrer Not klassische Dinge mit jüdischen komischen Originals by courtesy of Dr. Anatol Schenker

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