Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1914)
- Article
- Zur jiddischen Theaterfrage
- Date
- 1914-07-01
- Page
- 224 (sequence 1)
- Language
- German
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jL ML Kamila, Zw jiddischen TKüÄtisrfriij« HHmmiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiinmiiiiiiH ZUR JIDDISCHEN THEATERFRAGE AS jiddische Theater ist aus einem Bedürfnis der jüdische» -1*-^ Volksseele entstanden und hat das jüdische Volkslied zur ursprünglichen Gruudlage. Aus dem Volke heraus gewachsen und für das Volk geschaffen, vermochten sich die Anfänge unserer dramatischen Literatur und Kunst nicht von dem einfachen, naiveil Volksgeschmack loszutrennen. Das ist noch bis auf den heutigen Tag an Repertoire und Ausstattung wahrzunehmen. Zwar hat Goldfaden bei all seiner Naivetät schon eine modernere Bühne vor Augen gehabt und war bereits mit Shakespeare vertraut. Aber man muß verstehen, welche Schwierigkeiten einer normalen Ent** wicklung des jiddischen Theaters entgegenstanden. Das Theater an sich ist dem altjüdischen Geiste fremd. Eine Schauspielerin zu werden war für ein jüdisches Mädchen gleichbedeutend mit der Taufe. Dann noch das merkwürdige Problem: man besaß fertige Dramen, aber nicht für den jüdischen Geschmack. Musik ist vielleicht die tiefste und trotzdem volkstümlichste Kunst Volkstümlich deshalb, weil sie unvermittelt zum Herzen zu sprechen vermag und daher auch (in primitiver Gestaltung) die leichteste Nahrung für das einfache Volk ist. Deshalb hat fast jede dramatische Literatur mit dem Lied begonnen. Das jüdische Stück konnte den Fremden (Shakespeare) fertige Formen entlehnen* der Geist aber, der darin waltete, wurzelte im Herzen des Volke» — in seinem Lied. So entstanden die historischen OpereÄen mit Gesang und Tanz. Während aber das europäische Theater eine jahrhundertelange Entwicklung hinter sich hatte, bis es die heutig« Höhe erreichte, schol? das jiddische Theater in verhältnismäßig kurzer Zeit in die Höhe. Doch als es nahe daran war, seift I Originals by courtesy of Dr. Anatol Schenker