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Die Freistatt · 1914-07-01 · Heft 4 (Juli 1914) · p. 210

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Journal
Die Freistatt
Volume
2 (1914)
Issue
Heft 4 (Juli 1914)
Article
Die ostjüdische Studentenschaft in Westeuropa
Date
1914-07-01
Page
210 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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'210 Mofica Roacnblum, Die oatjüdidchc: Studentenschaft in Westeuropa iniiiUtMimnwmiifmimiinimiiiiHmiitim zu achten, daß diese »russische Kolonien* zumeist fast ausschließlich aus Juden bestehen, während man nur in ein paar Städten einen größeren oder kleineren Prozentsatz nichtjüdischer Studenten aus Rußland finden kann. Auch an solchen Orten, wo die Kolonie ausschließlich aus Juden besteht oder wo ein oder zwei Russen, Armenier oder Grusiner studieren, pflegte man von »russischer Kolonie« zu sprechen. Zumeist stellte die ganze Kolonie eine reine Fiktion dar: es existierte weder eine zentrale Institution, noch eine foederative (oder andere) Vertretung der verschiedenen lokalen nationalen Gruppen, welche das Recht gehabt hätte, im Namen einer »Kolonie der Studenten aus Rußland« zu reden (charakteristisch *st, dal? der Name »aus Rußland«, »rußländische« anstatt »russische« erst später geboren wurde, als Kompromiß mit den neuen Strömungen, als Resultat eines gewissen Kampfes). Und in vielen Orten existieren noch heute zwei Anstalten: ein jüdischer Verein und eine »russische Tschitalke« (Bibliotheks-Lesesaal); die letztere halt sich, wenn auch kein einziger Nichtjude vorhanden ist, für eine »rußländische« oder gar »russische« Institution und vergißt vollkommen, daß die zwei genannten Anstalten, die jüdische und die »russische«, im Grunde genommen, nur zwei Seiten ein und derselben Münze sindL zwei Teile der jüdischen Studentenschaft, und daß auch beide zusammengenommen nicht das Recht haben sich »russische« oder auch »rußländische« Kolonie zu nennen. Und wenn (wie das zumeist der Fall ist) die beiden Anstalten keinerlei gemeinsame Vertretung, keine zentrale, wenn auch nur formelle Verbindung haben, sonst der ganze Begriff »Kolonie der Studenten aus Rußland* oder »russische Kolonie« eine einfache Fiktion, eine Selbsttäuschung, eine fremde Fahne, unter der man eine Zeit lang die eigene Leere verbergen kann. Und diese fremde Fahne hat lange Zeit über den Köpfen der Studentenmasse im Ausland geflaftert« Die Kolonien waren nicht nur ihrem Namen nach russisch, sondern auch nach ihrem inneren kulturellen Charakter. Die herrschende Sprache — russisch; russische »Tschitalkes«, russische Referate, mit Themen über das russische Gesellschaftliche oder kulturelle Leben. Keine Erinnerung an irgend etwas Jüdisches* Uberall sich ausgeben für »Russen«, Originals by courtesy of Dr. Anatol Schenker

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