Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Das Problem jüdischer Staatswerdung in Palästina
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 353 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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volle Vorstellung, wie das Staatswesen, das errichtet werden soll, aussehen wird. Es ist fast sicher, daß der neue Staat nicht alsbald ins Leben treten wird, sondern daß eine Übergangszeit, dem bisherigen Mandat vergleichbar, vorau^gehen wird. Auch für die Zukunft sind vertragliche Belastungen einschneidender Art vorauszusehen. Das schwerste Problem dieser Art ist bekannt, die Minoritätenfrage. Nur wenn die Juden Staatsvolk sind, hat der Judenstaat seinen rechten Sinn. Es werden aber in jedem Fall Araber in ziemlicher Anzahl im jüdischen Gebiet sein, denen der sichere Status nicht versagt werden darf, den die Juden selbst — die überall sonst Minderheit sind — anderwärts und vor allem im nahen Osten genießen wollen. Hier ist die Auseinandersetzung besonders schwer. Dabei gibt es Beispiele, daß derartige Fragen zufriedenstellend zu lösen sind. Die Schweiz und Kanada sind hier Muster, aber dort sind die verschiedenen Bevölkerungen wenig mit einander gemischt. In Südafrika besteht neben geschlossener Siedlung von Engländern und Buren weithin eine Mischung, trotzdem ist es gelungen, den Frieden herzustellen. Die Tschechoslowakei bietet das Gegenbeispiel eines Staates, in dem die nationalen Gegensätze unausgeglichen sind. Das südafrikanische Vorbild dürfte der bisherigen Politik der Mandatsmacht in manchen Punkten vorgeschwebt haben, sie hat es aber nicht verstanden, die Bevölkerungsteile einander zu nähern. Deshalb 353