Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Das Problem jüdischer Staatswerdung in Palästina
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 337 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3111067-3111128-3119360--8200-3119745- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Bei Palästina ist ebenso wie bei der übrigen Hinterlassenschaft der Ottomanen im nahen Osten zunächst eine Zwischenlösung erfolgt. Das ist der Sinn des Mandatssystems. Man wollte und konnte diese Gebiete nicht annektieren, man getraute sich nicht, sie eigener Entwicklung freizugeben, so schuf man das Provisorium des Mandats. Der Gedanke des Mandats ist nicht absolut neu, für Kreta hat vorübergehend, ehe es griechisch wurde, etwas ähnliches bestanden. In dem Mandatsinstitut sind mehrere Gedanken politischer und rechtlicher Natur mit einander verbunden, wobei eine klare Herausarbeitung, entsprechend der jeder endgültigen Entscheidung ausweichenden Natur des Provisoriums, vermieden ist. Es bleibt dahingestellt, wem die höchste Herrschaft über Land und Leute zustünde: juristisch ausgedrückt, wo die Souveränität zu suchen sei. Nicht bei der Bevölkerung des Landes, der ja gerade das Recht, sich selbst zu regieren, vorenthalten wurde, auch nicht bei der Mandatsmacht, die ja die unbegrenzte Herrschaft über das Land — das wäre Annektion gewesen — nicht haben sollte, endlich auch nicht beim Völkerbund, dessen Organisation zu lose dazu ist, um eine eigene Herrschaft auszuüben. Mehrere Rechtsgedanken mußten herhalten, um das neue Recht sinstitut aufzubauen. Der englische Trust gab den Gedanken her, daß hier eine Macht nicht zu eigenem Recht und eigenem Nutzen, sondern treuhänderisch für ein noch unentwickeltes Volk die kulturelle und po- 22 337