Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Das Problem jüdischer Staatswerdung in Palästina
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 332 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Entfremdung vom Mutterboden und dem Wunsch, irgendwie neue Wurzeln zu schlagen. Die Dissimilation, unter deren Zeichen wir jetzt stehen, ist für uns der Auftakt zum Ritornar al Segno. Der Zionismus ist für weite Massen des Ostens, die noch nicht assimiliert waren, ein echtes Zurückgehen auf die Urkräfte, während er für enttäuschte Assimilanten des Westens eine geistige Rückwanderung bedeutet. Theodor Herzl . selbst war ein Rückwanderer, gerade darin lag vielleicht eine der Ursachen seiner Wirkung, er war der Überwinder eines Irrtums. Mit dem Verlust der Nationalsprache stehen die Juden unter den Völkern, die zum Zeichen zurückkehren, nicht ganz allein, auch die Iren müssen ihre alte Sprache wieder neu erwerben. Aber sie hatten immer ihr Land bewohnt. Damit daß beides, Sprache und Boden, wiederzugewinnen ist, stehen die Juden allein da. Das gibt dem Problem der Wiederherstellung ihrer Volkheit und Staatlichkeit den einzigartigen Charakter. Die Besonderheit des Falles macht die Judenfrage zu einer Weltfrage. Unter die Völker verstreut, meist ihre Sprache redend, auch wo sie ein eigenes Idiom (Jiddisch) herausgebildet haben, den Völkern, unter denen sie leben, durch die Gewohnheit der Jahrhunderte in gewissem Umfange angeglichen, und doch von ihnen zumeist nicht als Volksgenossen rezipiert, ist ihre Stellung überall mehr oder weniger problematisch. Es ist nicht not- 332