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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1938-01-01 · 31 (1938) · p. Seite 324

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
31 (1938)
Article
Mein Vater
Date
1938-01-01
Page
Seite 324 (sequence 29)
Language
German
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den Inhalt einer Ballade, die im aschkenasischen Ritus in die Semirot für den Sabbatausgang aufgenommen ist. Der Laden war noch offen. Meine Stiefmutter legte den Geldschein auf den Ladentisch. Der Kaufmann stammelte beschämt eine Entschuldigung; sie bekam noch etwa vier Gulden herausgezahlt. Als wir nach Hause kamen, sagte sie: „Simon hat mir unterwegs er1 zählt, woher Du das Geld hattest. Aber, nicht wahr, es war nicht Herr Scharge, sondern der Prophet Elija?66 „Nein, nein“, erwiderte mein Vater, „es war wirklich Herr Scharge.66 „Du glaubst also nicht -an Wunder?“ fragte sie. „Oh ja“, erwiderte mein Vater, „waren da nicht Wunder genug? Wir waren in Not geraten und hatten keine Aussicht auf Hilfe, da ging ich zum Gottesdienst. Wieviel Synagogen sind in unserer Nähe! Aber ich ging gerade in die „große Schul“, und dorthin kam auch Herr Scharge, der gerade jetzt eine Gemoro lernt, in der ihm etwas unverständlich war. Als er mich aufforderte, mit ihm nach Hause zu gehen, wies ich ihn zuerst ab und tat es dann nur gezwungen. Was brauche Ich noch den Propheten Elija dazu?“ Nach kurzer Zeit war mein Vater in der Lage, eine Wohnung zu mieten und sie bescheiden einzurichten. Auf Empfehlung des Oberrabbiners R. Josef Saul Nathansohn, der seine talmudische Gelehrsamkeit anerkannte, erhielt mein Vater eine Anstellung in der Vereinssynagoge „Schomre Schabbat66. Dieser Verein ist jetzt eine Weltorganisation mit dem Zentralsitz in London und bezweckt, in der Juden'heit nach Möglichkeit für die Wahrung der Sabbatruhe zu wirken. In Lemberg war das aber nicht nötig, denn wir zählten damals im ganzen acht jüdische Geschäfte, die am Sabbat geöffnet waren. Sonst waren alle streng geschlossen, und auch die Handwerker hielten durchgehend die Sabbatruhe. Die Aufgabe meines Vaters bestand darin, jeden Sabbat nach dem Frühgottesdienst und im Winter auch abends nach Sabbatausgang mit 324

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