Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Mein Vater
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 323 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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- Elijah 1× ep/1004307
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Hause zu gehen. Der Hausherr begleitet ihn und im Vorzimmer überreichte er ihm einen Geldschein. „Wofür denn?“ fragte mein Vater. „Für Eure Mühe“, lautete die Antwort. „Ich weiß nicht, ob ich das annehmen darf“, sagte mein Vater zögernd. „Das verstehe ich nicht, Euer Beruf ist doch, Unterricht zu erteilen. Müßt Ihr denn immer nur Knaben und Jünglinge unterrichten? Auch alte Männer können von Euch lernen. Die Entlohnung für Eure “Mühe dürft Ihr ruhig annehmen.“ Mein Vater nahm das Geld an, dankte und verließ die Wohnung, Es war eine Zehn-Gulden-Note. Eiligen Schrittes gingen wir nach Hause. Meine Stiefmutter saß noch an derselben Stelle; sie weinte zwar nicht mehr, war aber sehr betrübt. Mein Vater legte das Geld hin und sagte: „Die Lebensmittelgeschäfte sind noch geöffnet. Geh und kaufe das Nötige für den Sabbat ein“. „Woher hast Du das Geld?“, fragte sie erstaunt. „Das werde ich Dir sagen, wenn Du nach Hause kommst“, erwiderte er. „Aber zu dem Mann, der mich so beschämt hat, gehe ich nicht“, sagte meine Stiefmutter. „Warum denn?“ meinte mein Vater, „der Mann war in seinem Recht. Wir sind hier fremd, erst vor wenigen Wochen zugezogen, und da Du ihm bereits schuldig bist, ist er mißtrauisch geworden. Wieviel bist Du ihm denn schuldig?“ Es war ein geringfügiger Betrag. „So geh“, fuhr mein Vater fort, „bezahl Deine Schuld und kaufe für den Sabbat ein. Etwas Geld wirst Du noch herausbekommen. In den nächsten Tagen ist Rosch chodesch, und ich bekomme die Stundengelder, und dann wird Gott weiterhelfen.“ Ich mußte mit ihr gehen und unterwegs erzählen, woher der Vater das Geld hätte. Sie sagte: „Das war gar nicht Herr Scharge, sondern der Prophet Elija, der seine Gestalt angenommen hat“. Im Volk ist nämlich die Sage verbreitet, der Prophet Elija wandle durch die Gassen, verschiedene Gestalten annehmend, um würdigen Leuten, die unverschuldet in Not geraten sind, zu helfen. Diese Sage bildet 21* 323