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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1938-01-01 · 31 (1938) · p. Seite 320

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
31 (1938)
Article
Mein Vater
Date
1938-01-01
Page
Seite 320 (sequence 25)
Language
German
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Manche Knaben besuchten öffentliche höhere Lehranstalten, an denen der jüdische Religionsunterricht ebenfalls nicht befriedigend war. Aber in fast allen jüdischen Familien erhielten die Knaben Privatunterricht in der hebräischen Sprache und im biblischen Schrifttum. Für talmudbeflissene Jünglinge gab es je ein Beth hamidrasch in der inneren Stadt und in der Vorstadt, außerdem noch andere ähnliche Lehrstätten. Ein Verein zur Unterstützung des Thorastudiums unterhielt talmudkundige Lehrer, um die Bachurim beim Lernen zu beaufsichtigen und zu fördern. — Die Universität Lemberg hatte bereits eine Anzahl jüdischer Studenten, keine allzu große, da sie damals noch keine medizinische Fakultät besaß. Als mein Vater seinen Wohnsitz in Lemberg nahm, war das Ghetto bereits aufgehoben, die Juden durften in allen Stadtteilen wohnen. Das jüdische Leben spielte sich aber in zwei Stadtvierteln ab, die räumlich von einander getrennt waren. Das rührte daher, daß es ehemals zwei getrennte Gemeinden gab, die eine in der inneren Stadt (toch hair) und die andere in der Vorstadt (chiiz lair). Erst nach Niederlegung der Stadtmauer und der Einverleibung der Vorstadt entstand die Einheitsgemeinde, und doch gab es noch zu meiner Zeit einen kulturellen Unterschied zwischen den beiden Judenvierteln. Das innerstädtische Judenviertel, in dem wir immer gewohnt haben, war räumlich kleiner und an Bevölkerungszahl geringer als das vorstädtische. In den verschlungenen Gassen und Gäßchen des letzteren konnte ich mich nie zurechtfinden. Das innerstädtische hingegen bestand aus drei langen Straßen und Querstraßen und einem kleinen schönen Platz. Schön war der Platz allerdings nur am Sabbat und an den jüdischen Feiertagen, während ihn an den Werktagen die vielen durcheinandergewürfelten Obststände verunstalteten. Im Sommer saßen auf den Fußwegen jüdische Flickschuster, die ihr gewiß nützliches Handwerk auf offener Straße 320

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