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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1938-01-01 · 31 (1938) · p. Seite 318

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
31 (1938)
Article
Mein Vater
Date
1938-01-01
Page
Seite 318 (sequence 23)
Language
German
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jüdischen Krankenhaus untergebracht waren, in ihrer Behausung auf, wo er ihnen nicht nur unentgeltlich ärztliche Hilfe leistete, sondern auch das Geld zur Beschaffung von Medikamenten und zur Linderung sonstiger Not zu geben pflegte. In diesem menschenfreundlichen Wirken kannte er keinen Unterschied1 der Konfession, er genoß daher in allen Kreisen der Bevölkerung große Verehrung und wurde Ehrenbürger der Stadt Lemberg — eine Auszeichnung, die selten verliehen wurde. Obwohl er eine ausgedehnte Praxis hatte, blieb er arm, und als er starb, wurde er auf dem jüdischen Friedhof auf Kosten der Stadtgemeinde mit großen Ehren bestattet. Dabei ist zu berücksichtigen, daß der Einfluß der Juden in der Stadtverwaltung sehr gering war. Durch ein kompliziertes Wahlsystem zählte der Gemeinderat, der aus 100 Mitgliedern bestand, nur 14—16 Juden. Im übrigen beschäftigten sich die Juden mit dem Handel, wenn dieser auch nicht ausschließlich in ihren Händen lag. In der Handelskammer, in der Industrielle und Großkaufleute vertreten waren, verfügten sie über die Mehrheit. Außerdem gab es viele jüdische Kleinhändler, deren wirtschaftliche Lage nicht günstig war; es waren ihrer zu viele. Gut war die Lage der vielen jüdischen Handwerker. Eine berufliche Organisation gab es damals nicht, aber die jüdischen Handwerker hatten sich behufs gegenseitiger Unterstützung in Krankheitsfällen und in sonstiger Not zu einem Verein zusammengeschlossen. Außerdem waren noch viele jüdischen Droschkenkutscher, Lastwagen-Führer und Lastträger vorhanden. Viele Frauen des Mittelstandes halfen in den Geschäften ihrer Männer fleißig mit, oft nur, damit die Männer freie Zeit für das Thorastudium gewännen. Berufstätig waren Frauen und Mädchen der unteren Klasse. Es gab viele jüdische Dienstmädchen und Köchinnen, fast alle aus den nahe gelegenen kleineren Ortschaften zugewandert. Die Töchter der ein- 318

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