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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1938-01-01 · 31 (1938) · p. Seite 310

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
31 (1938)
Article
Mein Vater
Date
1938-01-01
Page
Seite 310 (sequence 15)
Language
German
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hatte. Nun begann eine wilde Hetze gegen ihn. Es schien klar, daß er die Jugend zum Abfall vom Judentum verleiten wollte. In der Gemeinde hatten die Chassidim keineswegs die Mehrheit, die Leitung lag in den Händen von gebildeten und aufgeklärten Kaufleuten; aber was ihnen an Zahl und Einfluß fehlte, ersetzten sie durch ihren wilden Fanatismus. Insbesondere wußten sie die Väter der Knaben, denen mein Vater Unterricht erteilte, einzuschüchtern und dadurch meinen Vater wirtschaftlich zu schädigen. Er verlor den Mut und faßte den Entschluß auszuwandern, um so der Wut seiner Verfolger zu entgehen. Ein Kaufmann, der geschäftliche Verbindungen in Rußland hatte, gab ihm den Rat, dorthin zu gehen und versprach ihn dürch Empfehlungen zu fördern. So griff mein Vater zum Wanderstab. Auf dem Wege berührte er die Stadt Zaleszczyki, wo sein um mehrere Jahre jüngerer Bruder bereits am Anfang einer - schönen Laufbahn stand. Er wagte nicht, ihn zu besuchen, aus Furcht, ihm damit zu schaden. Von einer Herberge aus schrieb er ihm, daß er bereit sei, unerkannt weiterzureisen, falls ihm durch eine Begegnung Schaden entstehen könnte. Der Bruder kam aber sofort und holte meinen Vater zu sich ins Haus. In der Zeit, in der mein Vater abwesend war, ich war damals kaum vier Jahre alt, begann meine Mutter, für meinen Unterricht zu sorgen. Ich kann die hebräische Sprache als meine Muttersprache bezeichnen, da ich in ihr den ersten Unterricht erhielt. Meine Mutter verstand sehr gut Hebräisch. Sie las fleißig die Bibel in der Ursprache, und die Gebete für die Wochentage und den Sabbat konnte sie fast auswendig. Am Vorabend des 9. Ab bot sich mir Jahr für Jahr ein ergreifendes Bild. Meine Mutter saß auf einem niedrigen Schemel, las die Kinot und die dazugehörende Liturgie, und da sie den Inhalt so gut verstand, vergoß sie darüber heiße Tränen, die die Blätter des Buches 3io

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