Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Aus dem Briefwechsel Steinheim - Zunz
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 282 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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war bis dato der ganze Prozeß dem nur zu ähnlich, den die traurigen Karrikaturen vor nicht gar langer Zeit uns vorstellig machten: Sie stellten den Bürgermeister, der sich den Kopf zerbricht, wirklich mit zerbrochenem Kopf vor oder dem einer durch den Kopf fährt, einen vierspännigen Wagen. So meinte ich, wäre das Gebot immer an das Heilige zu denken und es beständig vor Augen zu haben, in ähnlicher Weise gemißhandelt worden. Ich weiß, daß ich von Ihnen die beste Belehrung erhalten kann. Teilen Sie mir also, wenn Sie es vermögen, diesen Artikel selbst mit oder zeigen mir den Ort, wo ich ihn finden kann1). Sie wollen mich in Betreff der unartigen Behandlung, die ich von Herrn Dr. Geiger erfahren, beruhigen oder mich deshalb eines Besseren belehren: Das möchte Ihnen nun schwerer gelingen. Dr. Geiger hat meine Handschrift etwa 1V2 Jahre zufückgehalten und sie mir dann mit der kahlsten aller Entschuldigungen zurückgeschickt. Ich sehe daraus immer mehr ein, daß ich wirklich das erlebe, was man mir von guter Hand prophezeit hat, indem man mich in meiner Art den letzten Exulanten nannte und mir mehr Abneigung und Widerspruch innerhalb des Judentums verhieß als von seiten des Christentums. Ich weiß nicht, wer von uns der Verrückte ist — einer muß es sein! — denn so diametral entgegengesetzte Explikationen ein und desselben Gegenstandes lassen keinen anderen Mittelweg übrig. Mir ist es indes genug, wenn ich nur weiß, wie ich mit meinen Freunden dran bin; ich 282