Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Aus dem Briefwechsel Steinheim - Zunz
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 278 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefkasten angetragen, der mich als blinden Passagier mitnimmt; ich muß mich nur ein bißchen dünne machen. Sie raten mir zur Kritik. Nun wohl, ich will sie liefern und Ihrem Vertrauen selbst vertrauen. Auch war der Antrag, den ich an Dr. Geiger abgehen gelassen, schon auf Reisen, als ich ihn zuriickzunehmen nach dem Buchhändler ging. So fliegt das ausgesprochene Wort, sobald es ״den Zaun der Zähne4‘ verlassen, unwiderruflich vorwärts. Ich bin durch mein Wort gebunden, Gott wird helfen, es zu lösen. Ich bin kein Neuling zwar im Kämpfen; allein das genus irritabile der Theologen1) kenne ich noch nicht hinlänglich, bin aber nach dem Wenigen, was ich davon kenne, in nicht geringen Ängsten vor der endlosen Reizbarkeit dieses Völkchens. So lese ich soeben von dem Offenbacher Formstecher, eine mächtige Diatribe wegen eines beiläufigen Urteils über seine ״Religion des Geistes“, das mir so beiläufig entlockt worden ist.2) Ich solle erst — will er — das dritte und siebente Kapitel und Seite 88—89 seines Buches, wo er mit den meinigen ganz diametral entgegengesetzte Ansichten aufstellt, widerlegen, bis er sich entschließen könne, bei einem Mediziner Collegia über jüdische Theologie zu hören.3) Da haben wir es! Ne sutor extra crepidam!4) So ein Mensch außerhalb der Innung will’s besser wisssen! Der eifrige Rabbiner will nun einmal seinen Rationalismus durchsetzen. Ich streiche alle meine Segel und lasse mich 278