Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Zum Andenken an Leopold Zunz
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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gleichen Sie sich nicht mit Rab Papa, der auch zehn Söhne hatte?“ Bei dem großen Familiensinn, der Zunz auszeichnete, scheint er besonders nach dem Tode seiner Frau darunter gelitten zu haben, daß ihm keine Kinder beschieden waren. So schreibt er einmal ( am 7. Oktober 1874) an Frau Amalia Heymann, deren Gatte am 10. August d. Js.. verstorben war: ״Möge der Himmel Sie trösten und die Liebe der Kinder Sie aufrechthalten. Mir geht es nicht so gut: ich habe keine Kinder, welche den Tod meiner geliebten Adelheid, der nach fiinfmonatlichem Leiden am 18. August erfolgte, mir tragen helfen.“ Seine Nichte Berenice hat auch einige Anekdoten und Züge aus dem Leben ihres Oheims aufgezeichnet, die aus ihrem Nachlaß in das Zunz- Archiv gelangt sind und hier ebenfalls einen Platz finden mögen. Zunz’ Frage nach dem Wetter beantwortete ich mit ״trocken und kalt“, worauf die Bemerkung erfolgte: ״Trocken und kalt wie alle Philosophen; ich aber will kein Philosoph sein.“ Zunz hörte mit Unwillen, daß wir die Vorträge von Paulus Cassel, gehalten in der Aula des Friedrich Wilhelm- Gymnasiums, besuchen, und äußerte sich dahin, dem M’schumed müsse man die Ehre nicht antun. ״Weißt Du, fragte er mich, woher das Papier kommt? Heute wird soviel geredet, und alles, was geredet wird, wird geschrieben und gedruckt; das sind die Lumpen, die das Papier hierzu liefern. — Wenn ich meine Überzeugung aufgegeben hätte, wäre ich heute Geheimrat mit so und soviel Orden.“ Zunz liebte keinen gesteigerten Gefühlsausdruck. Wörter wie ״Himmlisch“ und ״reizend“ beanstandete er. ״Reizend“, 244