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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1938-01-01 · 31 (1938) · p. Seite 245

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
31 (1938)
Article
Zum Andenken an Leopold Zunz
Date
1938-01-01
Page
Seite 245 (sequence 23)
Language
German
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so meinte er, ״ist eine Suppe, wenn sie stark gesalzen ist“. Auch die Diminutiva wollte er in der Unterhaltung nicht angewendet wissen. Zunz’ Beschäftigung an der Spenerschen Zeitung, vielleicht auch sein Lehramt an der jüdischen Knabenschule, hatte bei ihm die Eigentümlichkeit hinterlassen, alle grammatikalischen Fehler und unsinnigen Redewendungen in Drucksachen, ja selbst in der Zeitung anzustreichen. Be- ,^sonderes Ärgernis verursachte ihm die Verwechslung von ^pro und per, z. B. per Jahr. ״Esel, Dummkopf“, waren die den Blaustift begleitenden Worte. Der Petroleumbeleuchtung mit ihrer Explosionsgefahr brachte er keine Sympathie entgegen. Mit der Abweisung: ״Im Monde ließ ich mir dies Licht gefallen“ behielt er seine Öllampe bei. Sein Sinn für die Familie seiner Frau, der immer sehr ausgeprägt war, erlosch auch mit ihrem Tode nicht. Er beachtete jeden Geburtstag dieser Verwandten mit einem kleinen Geldgeschenk und pflegte häufig auf dessen Hülle die Zahl der Lebensjahre in Minuten oder Sekunden umzusetzen. Die Daten dieser Geburtstage und, wie ich an־ nehmen darf, alle wichtigen Daten aus seinem Leben und dem der Familie sowie die verwandtschaftlichen Beziehungen zu anderen Familien von Ruf hatte er in einem kleinen Oktavheft aufgezeichnet. Leider soll sich dies Büchlein, das ich wiederholt in seinen Händen, auch noch im letzten Lebensjahr sah, nicht aufgefunden haben. Zunz’ Sarkasmus zeigte sich auch bei einer Begegnung mit dem Rabbiner (Esriel) Hildesheimer. Hildesheimer begrüßte ihn auf der Straße und fragte ihn, ob er ihn nicht kenne. ״Ach“, entgegncte Zunz, ״Sie leben noch, und ich glaubte, Sie lebten im vorigen Jahrhundert.“ Ergänzungen und Berichtigungen zu Zunz: Meine Schriften (Jahrbuchxxx, 1937,s. 140fr.) IV. Briefwechsel <S. 168): Zwei Briefe von Zunz an Rapoport, mitgeteilt von Nathan Grün, Jüdisches Literaturblatt XXII, 1893, Nr. 3. 245

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