Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Wie eine jüdische Gemeinde entstand
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 218 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3111067-3111128-3119355--8076-3119626- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
mehr unbehelligt. Aber mit dem Erwerb der Grafschaft Glatz durch Preußen kam das Glatzer Juden- Privileg wiederum in Gefahr. Am 10. Juni 1744 verlangt die preußische Regierung Auskunft, ob man nicht einer Anzahl Breslauer Juden gestatten könne, sich in Glatz ,,zur Treibung einigen Handels niederzulassen“. Alsbald er״ scheint eine Abordnung der Kaufmannschaft vor dem Magistrat in Glatz und fordert ihn ״proprio et nomine totius Communitatis“ auf, sich dem Ansinnen der Regierung zu widersetzen. Man möge sie ״bey ihrer Nahrung inperturbiert“ lassen. Am 16. Juni antwortet der Magistrat nach Breslau mit einem langen Schriftstück, das alles enthält, was gegen die Zulassung von Juden nach Glatz nur irgendwie geltend gemacht werden konnte. Die Regierung hatte wohl mit solchem Widerstande nicht gerechnet und ließ die Sache fallen. Darüber gingen mehr als fünfzig Jahre ins Land, und in dieser Zeit bereitete sich allmählich die Besserung in der Lage der Juden vor. Der erste Jude, der sich ifi Glatz, wenn auch noch nicht als Bürger, aufhalten durfte, war Salomon Landsberger aus Zülz. Wie aus einem Schreiben des Kriegs- und Steuerrats Müller vom 17. Juni 1800 hervorgeht, war Landsberger damals schon ״seit mehreren Jahren hierselbst widerrechtlich toleriert“. Erst als sich die Bürgerschaft darüber beklagte, daß er ihr die Nahrung wegnehme, wird die Regierung auf ihn aufmerksam und, da ihr auch sonst anscheinend 218