Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Wie eine jüdische Gemeinde entstand
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 217 (sequence 10)
- Language
- German
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ihre Entwicklung zu verstehen, müssen wir bis in den Anfang des 18. Jahrhunderts zurückgehen. Damals hören wir zum ersten Male von einem Privilegium, das die Stadt Glatz berechtige, Juden nicht in die Stadt aufnehmen zu müssen. Ob es der Stadt jemals verliehen worden ist, läßt sich nicht feststellen. Jedenfalls gerät der Magistrat, als die preu- Bische Regierung einmal eine Abschrift des Privilegs einfordert, in nicht geringe Verlegenheit. Im Jahre 1708, also noch unter österreichischer Herrschaft, wurde der erste Vorstoß unternommen, um den Juden die Zulassungsberechtigung in Glatz wieder zu verschaffen. Damals wurde, wie der Magistrat gereizt bemerkt, ״allenfalls durch Vergold- oder Versilberung der Hände“ die Frage der Zulassung der Juden nach Glatz im Landtage zur Sprache gebracht, und offenbar haben sich Stimmen gefunden, die sich für die ,,Introduction“ einsetzten. Um dem zu begegnen, richtete der Glatzer Pfarrer und Rektor des Glatzer Jesuitenkollegiums eine Eingäbe an den Kaiser. Sie findet die Unterstützung des Prager Erzbischofs Grafen Wratislau. Am 24. Januar 1709 forderte der Kaiser in einem Schreiben an den Landeshauptmann zu Glatz genauen Bericht ein. Am 16. März teilt Graf Wratislau den Glatzern die freudige Botschaft mit, daß wegen Zulassung einiger Juden ״zwar nicht ohne daß derentwegen etwas servieret worden“, dennoch nichts zu befürchten sei. Und so lange die Österreicher regierten, blieb Glatz in dieser Angelegenheit nun- 217