Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Wie eine jüdische Gemeinde entstand
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 216 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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und Mähren nach Preußisch-Schlesien hinüber, um nicht zum Militär eingezogen und dabei zu niedrigsten Verrichtungen verwendet zu werden. Man will sie nicht gerade nach Österreich zurückschicken, ist aber auch ״noch weniger gemeint, sie in die diesseitigen Lande sich einschleichen und darinnen etwann gar vagabondieren und betteln gehen zu laßen“. Die Behörden der Grenzstätte werden angewiesen, sie aufzugreifen und nach Polen zu verweisen. Schrecklich war das Schicksal dieser Unglücklichen, die ziellos im Lande umherirrten. Vielen mag es so gegangen sein wie jenem vierundzwanzigjährigen Jacob Munck, der, am 4. Juni 1789 in Glatz angehalten, aussagte, er habe vor vierzehn Tagen Nachod verlassen und sich über Glatz nach Breslau begeben, weil er geglaubt habe, es sei dort Jahrmarkt. Von Breslau sei er in seiner Ratlosigkeit nach Dyrenfurt und von dort nach Glatz zurückgegangen; jetzt gedenke er sich nach Gellenau zu wenden, nur nach Nachod wolle er nicht zurück. Am Rande des Schriftstücks, das von diesem Schicksal erzählt, steht die kurze Randbemerkung des Glatzer Steuerrats: ״Ist nach Polen abzuschieben“. Noch 1789 und 1792 werden Verfügungen erlassen, die sich gegen die fremden Juden richten. Neben diesen Kämpfen um die Teilnahme der Juden am Wirtschaftsleben geht der Kampf um ihre Wiedereinbürgerung in Glatz. Diese Frage wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts spruchreif. Um 216