Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Wie eine jüdische Gemeinde entstand
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 5)
- Language
- German
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mannschaft beim Rate, daß die Handelsfrau Schwab von einem Juden Waren genommen und ihn über Nacht bei sich beherbergt habe. Die Stadt versprach, bei dem Platzmajor vorstellig zu werden, daß künftig kein Jude in die Stadt eingelassen werden solle. Doch der verbotene Kleinhandel geht unentwegt weiter fort. Auf Grund einer Re' gierungsVerfügung wird eine Umfrage unter den Glatzer Kaufleuten und Krämern veranstaltet, um festzustellen, ob auswärtige Juden in der Grafschaft hausierten. Am 17. August 1782 wird ihr überraschendes Ergebnis mitgeteilt: die Befragten geben sämtlich zu Protokoll, daß sich Juden überall auf den gewöhnlichen Jahrmärkten einfänden und bei dieser Gelegenheit dem Verbote zuwider hausierten. Der Hausierhandel sei regelrecht organisiert. In mancherlei Städten und Dörfern hätten die Juden Niederlagen, z. B. in Habelschwerdt bei dem Nagelschmiede Tulaschek. Die Vorschrift, daß die Juden ihre Waren nur in plombierten Säcken mit sich führen sollten, die lediglich auf Jahrmärkten entsiegelt werden dürften, umgingen sie durch einen besonderen Kniff. Sie schnitten nämlich die Säcke unten auf und nähmen so die Waren heraus, ohne die Plombe zu verletzen. Gegen solche Mittel war mit gesetzlichen Maßnahmen schwer anzukämpfen. In zwei Anweisungen vom 5. Juli und 28. August 17842) wird der Polizei und den Akzise- und Zollämtern unter Hinweis auf alte Verordnungen 2) Acta von Regulierung des Juden Tolerantz-Wesens von 1742—1800. 212