Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Wie eine jüdische Gemeinde entstand
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 210 (sequence 3)
- Language
- German
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lungsort der in der Umgebung wohnenden Juden, Jeden Sabbat fanden dort Zusammenkünfte statt, auch die zufällig durchreisenden Juden stellten sich ein. Es wurde regelrechter Gottesdienst abgehalten, den ein Kantor Hirschei leitete. Das Treiben im Weißen Rössel konnte freilich den Stadtvätern nicht behagen. So beklagte sich die Stadt Glatz beim Landeshauptmann darüber, daß der Brauch eingerissen sei, im Weißen Rössel jüdische Gottesdienste ,.,zumahlen mit einigem Geschrey und Getöse“ abzuhalten. Die Antwort vom 26. Oktober 1709 enthält den Bescheid, daß die Gottesdienste zu dulden seien, daß jedoch den benachbarten und den durchreisenden Juden nur ״ohne das mindeste Geschrey, keineswegs aber mit öffentlichen Zubereitungen der Lichter oder Ausstellung der Zehen Gebot in einem Christenhaus ihr Gebet zu verrichten erlaubt sein könne“. Wenn dem zuwider gehandelt werde, solle man den Wirt zur Rechenschaft ziehen. Den besonderen behördlichen Unwillen erregte der Kantor Hirschei. Er hat wohl ständig im Weißen Rössel gewohnt und seinen Aufenthalt dort dazü benutzt, sich durch heimlichen Kleinhandel in der Stadt einen Nebenverdienst zu verschaffen. Ihm wird auf Ansuchen des Magistrats von der Königliehen Amtskanzlei am 18. Januar 1710 besonders mitgeteilt, er habe außer den Marktzeiten keinerlei *Waren irgendwelcher Art in Glatz zu verkaufen, un!cl 210