Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Wie eine jüdische Gemeinde entstand
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 209 (sequence 2)
- Language
- German
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1709 an Kunde über die Juden. Bürgerschaft und Rat stehen in geschlossener Abwehrstellung. Der Widerstand gegen die Juden ging von der Bürgerschaft, und zwar hauptsächlich von den Kaufleuten aus. Wir ersehen dies aus den vielen Eingaben, die in Judensachen an den Magistrat gerichtet werden.1) Die Haltung der Kaufmannschaft entsprang wirtschaffliehen Gründen; sie fürchtete den Wettbewerb des jüdischen Kleinhandels. Die öffentliche Meinung stand auf ihrer Seite und bestimmte die Politik des Magistrats. Es war nicht leicht, diese Politik, die auf möglichste Fernhaltung der Juden hinzielte, folgerichtig durchzuführen. Man hatte die Juden aus den Städten gejagt; nun saßen sie auf dem Lande und wußten sich nicht nur mit großer Ge- Schicklichkeit dort zu behaupten, sondern sich sogar bisweilen in die ihnen verbotene Stadt einzuschleichen. So entwickelte sich eine Art Kleinkrieg, in dem bald die eine, bald die andere Seite Vorteile erzielte. Unfern von den Mauern der Stadt Glatz lag das Wirtshaus ״Zum weißen Rössel’‘, der heutige Gasthof ״Weißes Roß“ an der Neiße bei der Roßbrücke. Dort hielten sich die Juden auf, wenn sie während der Jahrmärkte in Glatz weilten, und aus der Herberge wurde bald ein Mittelpunkt und Versamm- ג) Die folgenden Ausführungen beruhen auf den im Archiv zu Glatz befindlichen Aktenstücken: Acta von dem der Stadt Glatz zustehenden Privilegio wegen des nicht zu duldenden Etablishements der Juden von 1744—1807; Acta von dem der Stadt Glatz zustehenden Privilegio wegen des nicht z\1 duldenden Etablishements der Juden von 1744—1812. 14 20Q