Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Weltgeschichte im Spiegel jüdischer Bildnisminiaturen
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 202 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 84% known words query
- IRI
…/3111067-3111128-3119354--8059-3119610- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
satzlos und schauspielerisch. Lord Walpole schrieb vom ״asiatischen“ Stuarthof. Samuel Coopers Frauenbildnisse machen den Be- Schluß. Eines zeigt die Parteigängerin der Stuarts in der Cromwell-Zeit, die begabte Verschwörerin Lucy Percy Lady Carlisle.* Kein Kerker war für ihre Intrigen zu fest, und die abgebildete Perlenkette hat sie für 1500 £ zum Zwecke ihrer Politik verkauft. Das Haar ist dunkel, die Taille schwarz, der Shawl blau — für das Gesicht wählte der gern experimentierende Künstler opake Farben. Es bleibt immer bewundernswert, wie er vor den Elfenbeinminiaturen, die Bernhard Lens in England einführte, jene diesen eigentümliche Transparenz des Inkarnats zu meistern verstand. (Sammlung Sotheby) Auf einer anderen sehen wir wieder ein Königsliebchen Karls II.: Barbara Palmer.* Die Miniatm• aus dem Besitz des Herzogs von Buccleuch ist ein wenig abgeblaßt, was sie aber nur noch zarter gemacht hat. Die Wolkenbildung ist von der Duftigkeit einer lionardesken Landschaft, ein Vergleich, der noch einleuchtender wäre, handelte es sich bei dem Frauenbildnis um ein Mona-Lisa-Wesen und nicht um ein unbeherrschtes Dämchen mit nichtssagendem Gesichtsausdruck und blonden Ringel- Iöckchen, das nichts besaß als die Lockungen seiner Geschlechtlichkeit und das Instrument seines Sexappeals wissend zu spielen wußte. Wir haben keine Kenntnis darüber, was der Puritaner Cooper beim Porträtieren der verschiedenen Mätressen empfand, 202