Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Weltgeschichte im Spiegel jüdischer Bildnisminiaturen
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 174 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3111067-3111128-3119354--8031-3119582- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
gen der Wechselfälle seines Schicksals miterlebte und ihren Vater noch einmal am Tage vor seiner Hinrichtung sprach. Ein ergreifendes Mädchenbildnis, bei dessen Anblick man Schuberts Melodie vom Tod und Mädchen vernimmt. Sie hat den Tod in den Augen, ein früh gealtertes, leidendes Menschenkind. Der Maler hielt nicht allein die Ent- ־ schlossenheit fest, mit der sie ihrem Bruder, dem späteren König Jakob II., zur Flucht verhalf, die Gefaßtheit, mit der sie die kurze Erzählung über ihre letzte Begegnung mit dem Vater niederschrieb, er entriß dem Schicksal während seiner Arbeit auch das Geheimnis, daß Kummer binnen kurzem die Prinzessin von der Erde hinwegraffen würde. Auch rein malerisch ist diese erhabene Darstellung aufgeschlossener Mädchenhaftigkeit ein Meisterwerk: die Blutwärme unter der bleichen Haut, die mit dem dunklen Ton des Gewandes kontrastiert, und die Zeichnung der zusammengekniffenen Lippen und eingefallenen Augen. Das erste gesicherte Werk Samuel Coopers, des größten Bildnisminiaturisten aller Zeiten, dessen Werke nicht nur wegen der Kunstfertigkeit in diesem kleinen Format, durchschnittlich 2V2 X 6% cm, bewundernswert sind — nicht das geringste Gesichtsfältcheri wird übergangen —, sondern zu den höchstgeschätzten Leistungen der englischen Malerei überhaupt gehören, ist die Lady Elisabeth Devonshire, geborene Cecil (Sammlung des Lords of Exeter zu BurleigK) . Die Forschung nimmt heute 174