Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1938-01-01 · 31 (1938) · p. Seite 165

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
31 (1938)
Article
Shylock - die Geschichte einer Figur
Date
1938-01-01
Page
Seite 165 (sequence 29)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3111067-3111128-3119353--8017-3119573
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

leg darf in der Geschichte der Shylock-Figur nicht fehlen. VI. Zum Schluß noch ein Wort über den Namen Shylock. Es wurde schon erwähnt, daß seltsamerweise der Dichter in dem judenlosen England einem venezianischen Juden als einziger Person des Stückes einen englisch klingenden Namen gibt. Das ist umso seltsamer, als Shakespeare dies bei keiner Hauptfigur seiner im Süden spielenden Dramen vor- oder nachher getan hat. Wenn er damit nicht auf die englischen Wucherer überhaupt hat anspielen wollen, so ist es denkbar, daß er vielleicht die Erinnerung an den Londoner Leibarzt Lopez hat unterstreichen wollen. Möglich auch, daß dieser etwa einen Spitznamen dieses Klangs oder Sinns gehabt hat. Denn Shylock bedeutet etwa — shy scheu, mißtrauisch; lock Schloß, aber auch Umfassen oder Kunstgriff — einen Menschen, dem man nicht trauen und der andern nicht trauen kann. Es klingt auch an das Wort Shy-cock an, das, bei den (zu Shakespeares Zeit beliebten) Hahnenkämpfen, einen vorsichtigen und feigen Hahn bedeutet und auch auf vorsichtige und feige Menschen angewendet wurde. Die englische Shakespeareforschung hat aber nachgewiesen, daß Shakespeare den Namen seines Juden aus einem alttestamentarischen Namen durch Anglisierung gewonnen hat, nämlich aus Schelach oder Schalach, griechisch: Salah. Dieser Name kommt in dem genealogischen Verzeichnis des IÖ5

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.