Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Shylock - die Geschichte einer Figur
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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leg darf in der Geschichte der Shylock-Figur nicht fehlen. VI. Zum Schluß noch ein Wort über den Namen Shylock. Es wurde schon erwähnt, daß seltsamerweise der Dichter in dem judenlosen England einem venezianischen Juden als einziger Person des Stückes einen englisch klingenden Namen gibt. Das ist umso seltsamer, als Shakespeare dies bei keiner Hauptfigur seiner im Süden spielenden Dramen vor- oder nachher getan hat. Wenn er damit nicht auf die englischen Wucherer überhaupt hat anspielen wollen, so ist es denkbar, daß er vielleicht die Erinnerung an den Londoner Leibarzt Lopez hat unterstreichen wollen. Möglich auch, daß dieser etwa einen Spitznamen dieses Klangs oder Sinns gehabt hat. Denn Shylock bedeutet etwa — shy scheu, mißtrauisch; lock Schloß, aber auch Umfassen oder Kunstgriff — einen Menschen, dem man nicht trauen und der andern nicht trauen kann. Es klingt auch an das Wort Shy-cock an, das, bei den (zu Shakespeares Zeit beliebten) Hahnenkämpfen, einen vorsichtigen und feigen Hahn bedeutet und auch auf vorsichtige und feige Menschen angewendet wurde. Die englische Shakespeareforschung hat aber nachgewiesen, daß Shakespeare den Namen seines Juden aus einem alttestamentarischen Namen durch Anglisierung gewonnen hat, nämlich aus Schelach oder Schalach, griechisch: Salah. Dieser Name kommt in dem genealogischen Verzeichnis des IÖ5