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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1938-01-01 · 31 (1938) · p. Seite 163

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
31 (1938)
Article
Shylock - die Geschichte einer Figur
Date
1938-01-01
Page
Seite 163 (sequence 27)
Language
German
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werden muß, weil er, wenn auch nur von ferne, zur Entstehungsgeschichte Shylocks gehört. Im Jahre 1584, also gerade zu der Zeit, in der etwa nach unserer Vorstellung vom Leben Shakespeares dieser von Stratford nach London gekommen sein konnte, führte die Schauspielertruppe, der er selbst später angehörte (die ,,Earl of Leicester’s Company“), ein Stück „The three Ladies of London“ (Die drei Damen von London) auf. Sein Autor William Wilson gehörte der Truppe als Schauspieler an. Das Stück war noch eine sog. Moralität (etwa wie „Jedermann“). Die drei Damen von London waren denn auch keine Frauen aus Fleisch und Blut, sondern hießen Lucre, Conscience und Farne — der Gewinn, das gute Gewissen und der gute Ruf. Aber das Werk enthält auch schon einige realistische Szenen, und in diesen treten auf: Mercatore, ein italienischer Kaufmann, und Gerontus, ein Jude. Gerontus leiht dem Mercatore zweitausend Dukaten auf drei Monate. Der Schuldner zahlt am Verfallstag nicht. Der Jude leiht ihm trotzdem noch weitere tausend Dukaten dazu. Darauf geht Mercatore, ein Diener der „Dame Gewinn“, außer Landes, ohne zu zahlen. Was der Jude, über die Rampe sprechend, mit den Worten quittiert: „Viele von euch Christen machen sich kein Gewissen daraus, ein falsches Wort zu geben und eine Frist nicht einzuhalten“. Zwei Jahre später treffen sich die beiden wieder — in der Türkei! Gerontus mahnt um sein Geld und zieht Mercatore, als dieser eine neue Frist ohne Zahlung 163 11

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