Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Shylock - die Geschichte einer Figur
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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Es ist, aus kultur- und literaturhistorischem Anlaß, noch ein besonderes Wort über Shylocks Berüf als Wucherer zii sagen. Man weiß, daß die Kirche das Zinsnehmen verboten hatte und daß jede Verzinsung als Wucher (usura) angesehen wurde, Dies war einer der Gründe, warum der Beruf des Geldverleihers den Juden zufiel. Zur Zeit Shakespeares stand, wie auch schon im ganzen mittelalterlichen Europa, das kanonische Zinsverbot nur auf dem Papier. England war seit Jahrhunderten ohne Juden. 1 Upd trotzdem gehörte der Wucher, und zwar der wirkliche ausbeuterische Wucher, zu den Krebsschäden des englischen Lebens. Die Dramen der , ejisabethanischen und der darauffolgenden jakobini- . sehen Zeit sind voll von Wuchererfiguren nichtjüdischen Herkommens. Der Wucherer war geradezu eine stehende Figur der Bühne und der anderen Literatur. Von diesem Gesichtspunkt aus haftete dem Shylock, obwohl er ein Jude war, etwas typisch Englisches an. Vielleicht hat dies den Dichter veranlaßt;. seinem Juden in einem in Italien spielenden Stück einen englischen oder vielmehr gewaltsam anglisierten Namen zu geben. Wie wenig das Wucherertum im Shakespeare’schen England trotz der aus dem Mittelalter überkommenen Berichte und Mythen mit der Erscheinung des Juden verbunden war, dafür gibt es wiederum einen literarischen Beleg, dessen hier auch deshalb Erwähnung getan IÖ2