Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Shylock - die Geschichte einer Figur
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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und Kaufmann, der in allen Ländern und auf allen Meeren ruhendes oder fahrendes Gut hat, zuvor aber ein verbrecherischer Kriegsingenieur und Arzt und ein gewerbsmäßiger Giftmischer gewesen ist. Auch die Handlung des „Juden von Malta“ beginnt mit einer Judenverfolgung und setzt sich in einem Krieg zwischen den die Insel beherrschenden Malteserrittern und den Türken fort. Marlowe, ein genialischer, aber roher Bühnendichter, hat aus seinem Juden einen übermenschengroßen Theaterteufel gemacht, einen schauerlichen Kulissenbösewicht, der sich der grauenhaftesten Verbrechen und des abscheulichsten Christenhasses rühmt. Hier, in dem venezianischen Pf and Verleiher Barrabas-Joseph aus Cypern und in dem Großkaufmann und Großverbrecher Barrabas aus Malta, haben wir sozusagen die beiden literarischen Aszendenten des Shylock. (Nur nebenbei: beide sind, wie Shylock, unbeweibt, und der Jude aus Malta hat auch, ebenso wie Shylock, nur eine Tochter, die von ihm abgöttisch geliebt wird, die aber ihrerseits einen Christen liebt). Von diesen beiden Figuren hinwiederum führt eine Spur mitten in die jüdische Geschichte des sechzehnten Jahrhunderts. Denn durch beide scheint unverkennbar die Gestalt des Joseph Mendez-Nassi und nachmaligen Herzogs von Naxos hindurch. Er war der Ratgeber der Sultane Suleiman II. und Selim II., er hat vorher in Venedig eine Rolle gespielt und später die Eroberung Cypems durch die Türken angeregt. Auch hat er in Venedig, IÖO