Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Shylock - die Geschichte einer Figur
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 23)
- Language
- German
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denten oder Der Jud von Venedig“, bald ähnlich heißt. Dieses Stück behandelt im Stil des damaligen Barocktheaters, die Fabel von dem Pfund Fleisch wie auch die Geschichte einer romantischen Brautwerbung, aber letztere ohne die Fabel von der Wahl der drei Kästchen (die übrigens auch aus den „Gesta Romanorum“ stammt und deren wahrscheinliche Urfassung im Talmud steht). Es kann kein Zweifel darüber herrschen, daß Christoph Blümel das englische Stück „The Jew“ bearbeitet hat. Und ebensowenig ist es zweifelhaft, daß „The Jew“ Shakes- . peare als Unterlage für seinen „Kaufmann von Venedig“ gedient hat. Bekanntlich sind eine Reihe seiner Stücke — wir nennen nur „König Lear“ und „Hamlet“ — Bearbeitungen von bereits vorhandenen wenn auch noch so primitiven dramatischen Fassungen. Er hat diese Rohprodukte oder Halbfabrikate durch sein Genie veredelt und geadelt. Dies gilt auch für das Verhältnis des „Kaufmann von Venedig“ zu „The Jew“. In diesem nun heißt, nach der deutschen Bearbeitung, der jüdische Gläubiger zuerst Barrabas und nach seiner Ankunft in Venedig Joseph. Er kommt in Venedig aus Cypern an, wo gerade alle Juden ausgewiesen worden sind, und wird so rasch, wie es die um den Zeitablauf unbekümmerte damalige Bühne nur zuläßt, ein reicher Pfandverleiher in der Lagunenstadt. Barrabas aber heißt auch der Titelheld des Marlowe’schen „Juden von Malta“. Dieser ist ein ungeheuerlich reicher Schiffsrheder 159