Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Shylock - die Geschichte einer Figur
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 22)
- Language
- German
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stattfanden. Von nun an erst hatte der Jude „Heimatrecht“ in der Fabel erlangt. Auch in England, wo zur Zeit Shakespeares eine Übersetzung des „Pecorone“ erschienen ist. Shakespeare war nicht der erste englische Dramatiker, der die Fabel mit dem Juden auf die Bühne gebracht hat. Wir haben bereits erwähnt, daß im Sommer 1594 neben dem Judendrama von Marlowe noch ein zweites älteres „The Jew“ wieder aufgeführt, wurde. Der englische Text dieses Stückes ist mit dem Namen des Autors verlorengegangen. Doch hat im Jahre 1579 ein puritanischer Schriftsteller Stephen Gosson in einem theaterfeindlichen Buch „School of Abuse“ das Stück erwähnt und hinzugefügt, es schildere „die Habgier von Freiern und den Blutdurst von Wucherern“. Diese Worte könnten zur Not auch als knappe moralisierende Inhaltsangabe für den „Kaufmann von Venedig“ 'gelten. 1; Nun hat sich von den Textbüchern, die durch die sog. „Englischen Komödianten“, d. h. die das Festland bereisenden englischen Theater truppen auf geführt wurden, eines erhalten, das in der Bearbeitung eines gewissen Christoph Blümel „studiosus Silensis“, ♦also eines für das Theater tätigen schlesischen Studenten, in Deutschland und Oesterreich um die Wende des Jahrhunderts und später vielfach auf - geführt worden ist und bald „Comoedia Genandt der ’Jud von Venetien“, bald „Comoedia genandt Dass Wohl Gesprochene Uhrteil Eines Weiblichen Stu- 158