Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Shylock - die Geschichte einer Figur
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Immerhin finden sich in seiner Dichtung noch einige Spuren des Zeitgeschehens. Der Kaufmann von Venedig, den er den „königlichen“ nennt, trägt den Namen jenes „Königs“ Don Antonio, während die gleiche Figur, in der von Shakespeare mindestens mitbenutzten Quelle, dem Novellenbuch „Pecorone“ des Giovanni Fiorentino, den Namen Ansaldo führt. Ferner ist der Kreis von jungen lebenslustigen Nichtstuern um den „königlichen Kaufmann“ offenbar in seiner gesellschaftlichen Atmosphäre dem Kreis um Essex und vielleicht auch dem um den „König“ Antonio nachgebildet. Auch eine Anspielung auf die Privatverhältnisse des Lopez findet sich im Text, die hier zu erörtern zu weit führen würde. Wir können es genug sein lassen mit der Feststellung, daß im Stück wie in den Londoner Vorgängen, die es ausgelöst haben, ein Jude, ein einziger, gegen eine ihm fremde und feindlich gesinnte Welt steht. Aus dieser Situation hat der große William nicht nur ein, sondern das Judenschicksal seiner Zeit entrollt und es in die Sphäre des Tragischen gehoben. IV. Nun freilich ergibt sich von selbst die Frage, wie er zu der Handlung seiner Dichtung gekommen ist, die in ihrem Ablauf mit der Affäre Lopez oder mit sonst einem aktuellen Anlaß nichts mehr zu tun hat. Es ergibt sich, mit anderen Worten, die Frage nach der literaturgeschichtlichen Herkunft der Shylock- Figur. Die Hauptfabel des Stückes ist ja bekannt 156