Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Shylock - die Geschichte einer Figur
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 153 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Lopez wurde auf Betreiben seines Feindes Essex verhaftet, vor ein Sondergericht gestellt und wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Dies geschah im Frühjahr — April bis Juni — des Jahres 1594. Im Prozeß und sogar noch bei der Hinrichtung spielte die Tatsache, daß Lopez ein „Jude“ war, eine (immer wieder ausgesprochene) Rolle! Die Königin selbst war von der Schuld ihres Leibarztes nicht zu überzeugen, setzte sich aber — wie so oft! — mit ihrem Widerspruch gegen seine Verurteilung und Hinrichtung nicht durch. Sie beschränkte sich darauf, seine Hinterbliebenen, eine Frau Sarah, zwei Töchter und einen Sohn, materiell zu unterstützen. Das Volk von London, die Königin abgöttisch verehrend und voll Haß und Abscheu gegenüber den vielfältigen spanischen Anschlägen auf ihr Leben, suchte immerfort nach Sündenböcken und ließ sich daher auch von der Schuld des Lopez leicht überzeugen. Den Zweiflern wurde durch eine Kampagne begegnet, die in Denkschriften, Karikaturen und Hetzschriften bestand. Durch London rollte geradezu eine „antisemitische“ Welle: Lopez, „der Jude“, hat unsere geliebte Königin im Dienste unseres verhaßten Feindes Philipp vergiften wollen! Diese Stimmung und Konjunktur konnte sich das Theater nicht entgehen lassen. Im Sommer 1594 wurde „Der Jude von Malta“, ein fünf Jahre altes Stück Christopher Marlowes, sowie ein noch älteres Drama „The Jew“ wieder in den Spielplan aufgenommen. Dies wissen wir aus dem Rechnungsbuch 153