Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Shylock - die Geschichte einer Figur
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 152 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdin gewesen ist, war ein Mann ohne inneren Rang, auch ohne viel Verstand und Bildung. Er wurde in London als „König4’ behandelt und gegen den, wie man behauptete, Usurpator des portugiesischen Thrones Philipp von Spanien ausgespielt — insbesondere von Essex und der ihn umgebenden jungen Hofclique, die — im Gegensatz zu der älteren, von Burleigh, dem Schatzkanzler, geführten — noch einmal eine kriegerische Generalabrechnung mit dem spanisch-katholischen Erbfeind wünschte. Zwischen dem „König“ Antonio und Lopez kam es zu einem Zerwürfnis, das auch eines zwischen Essex und dem Leibarzt wurde. Plötzlich war der vorher so geschätzte und schon wegen seiner Vertrauensstellung bei der Königin umworbene Lopez ... „der Jude“. Die jungen übermütigen Herren — die Grafen Essex, Southampton, Rutland und Pembroke, auch die beiden Brüder Bacon, die bei Essex in Sold standen, und andere — verhöhnten und verfolgten ihn. Nun waren auf einmal seine Auslandsbeziehungen und sein ausgedehnter Briefwechsel suspekt. Mag sein, daß sich der alte, durch die Ereignisse verwirrte Mann zu weit vorgewagt oder sich durch Philipps Spione, die überall in England saßen und schürten, in eine Falle hat locken lassen, ja, man kann gerechterweise die Möglichkeit nicht ganz ausschließen, daß sich Lopez, wenn auch vielleicht nur zum Schein, dem König Philipp oder seinen Beauftragten gegenüber bereit erklärt hat, Elisabeth durch Gift aus der Welt zu schaffen. Kurzum: 152