Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Shylock - die Geschichte einer Figur
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 151 (sequence 15)
- Language
- German
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r Die Königin Elisabeth hatte — wir befinden uns nun im Jahre 1594 — jahrelang einen Leibarzt Roderigo (Roger) Lopez. Er war zu dieser hohen Stellung durch die Protektion Leicesters, Burleighs Und Walsinghams, also der vormals einflußreichsten Ratgeber der Königin, und natürlich auch durch seine berufliche Tüchtigkeit gekommen. Daß er von Juden abstammte, steht außer allem Zweifel. Ob er innerlich noch am Judentum hing, ist nicht festzustellen. Soviel aber ist sicher, daß er Verbindungen zu Marranen in England, den Niederlanden und vor allem in Spanien und Portugal hatte und pflegte. I)urch einen ausgedehnten Briefwechsel mit ihnen machte er sich den drei genannten Politikern nützlich, indem er hinterdie politischen und militärischen Pläne und Maßnahmen Philipps II. zu kommen suchte. Auch der letzte Günstling Elisabeths, der stürmische und intrigante Graf Essex, bediente sich seiner ausländischen Beziehungen. Aber Lopez, damals schon ein gealterter und kränklicher Mann, wagte sich in dem gefährlichen Spiel der politischen Spionage zu weit vor. Man hatte ihn zum Dolmetsch und Ratgeber des in London Hilfe suchenden Don Antonio, Priors von Grato, ernannt, der, ein unehelicher Sohn eines Onkels des vorletzten portugiesischen Königs Sebastiano, Anspruch auf den portugiesischen Thron machte und diesen auch kurze Zeit innehatte, bevor er der Gewalt Philipps weichen mußte. Don Antonio, dessen Mutter übrigens wahrscheinlich ihrer Abstammung nach eine 151