Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Shylock - die Geschichte einer Figur
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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gerechten Entspannung verlangt. Dies war, was sich vielfach belegen ließe, der Fall, der Shakespeare gen reizt hat. Denn er war ja ein „Zeitdichter“, der Dichter für die große Zeit, deren Größe er mit historisch-mythischen Elementen untermauerte und erhöhte. III. Aber es hat noch einen näheren, geradezu kompakten Anlaß für die Erfindung oder Findung der Shylock-Figur gegeben, eine geradezu hebammenhafte Mitwirkung der Zeitgeschichte an der Geburt einer Judenfigur auf der englisch-elisabethanischen-.Bühne. Shakespeare — das muß vorausgeschickt werden — führte ja nicht das Leben eines Halbgottes unter den Dichtern, wie es, von seinem Nachruhm aus gesehen, den Anschein haben könnte. Er ,war kein „Olympier“ und galt nicht als solcher. Er fühlte sich und galt als einer unter vielen Stückeschreibern, er war ein „play-wright“, ein Lieferant von aufführbaren und attraktiven Bühnentextbüchern. Er hatte viele erfolgreiche Konkurrenten, die ihm zwar nicht das Wasser reichen, aber es ihm doch gelegentlich abgraben konnten. Seine einzigartige Größe wurde von seinen Zeitgenossen durchaus nicht erkannt, und er mußte sehen, wo er bleibe und wie er vorwärts komme, zumal bei ihm, dem menschlich-allzumenschlichen Shakespeare, der Sinn für Geld und Gelderwerb stark ausgeprägt war. Von hier aus gibt es einen überaus deutlichen Fingerzeig für die Aktualität der Judenfigur. ISO