Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Shylock - die Geschichte einer Figur
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 12)
- Language
- German
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sprechen suchten. So verabscheuten sie den Bilderdienst und darüber hinaus jedes weltliche Gepränge und kamen dadurch nicht nur mit dem prachtliebenden, weltlich gesinnten Hof Elisabeths in Widerspruch, sondern auch in eine Kampfstellung gegen das ... Theater. Hier nun ist der Punkt, wo Shakespeare dem jüdischen, richtiger: einem judaistischen Geist begegnete. Er mußte — Schauspieler, Bühnenleiter und Bühnenautor — notwendig das theaterfeindliche Puritanertum hassen und damit auch dessen alttestamentarischen Nährboden. Er mußte, wie wir heute sagen würden, ein „Kultur-Antisemit64 sein. Der geistige Gegensatz, in dem er zum Judaismus stand, ist in seinem, des Dichters, Wesen und in dem Wesen seines Werkes tief begründet. Es ist ja kein anderer Gegensatz als der alte zwischen Judaismus und Hellenismus, zwischen moralischer und ästhetischer Weltauffassung. Shakespeare war zwar so groß, daß er auch Heidnisches und Jüdisch- Christliches in einem Bilde zu sehen und zu gestalten vermochte. Aber schließlich war dieser größte Dichter der Renaissance doch im Grunde seines Wesens ein „Heide'4, ein Hellene also und somit ein geistiger Antipode des Puritanismus und des Judaismus. Gegen jenen hat er sich an mancher Stelle seiner Dramen und so auch mehrmals im „Kaufmann von Venedig44 mit satirischer Schärfe gewandt. 148