Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Shylock - die Geschichte einer Figur
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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i und daß diese, nicht anders als die Engländer selbst, Erbfeinde Spaniens und seines bekehrungs- und verfolgungssüchtigen Königs Phillip II. waren. Die Verhandlungen z. B., die Elisabeths Staatsrat mit der Türkei wegen eines Bündnisses gegen Spanien führte, wurden von Juden vermittelt und gefördert. Bei der hohen Pforte spielten diese ja eine große, und einzelne von ihnen, wie der Herzog von Naxos (Joseph Mendez-Nassi) und mit und nach ihm der Herzog von Mytilene (Alvaro Mendez), eine einflußreiche Rolle. Kurzum: als Elisabeth und ihr England auf der Höhe ihrer Macht standen, wurde Jüdisches genug mittelbar oder unmittelbar an sie herangetragen. Es gehörte zweifellos in den Kanzleien und Kontoren der werdenden Welt- und Handelsmacht zu den gelegentlichen nicht seltenen Gesprächsthemen. Andererseits war auf der Insel, wenn man so sagen darf, esoterisch Jüdisches mehr als genug vorhanden. Die calvinistischen Puritaner hatten sich ja, getreu ihrem Genfer Meister, mit Emphase in die Gedankengänge und Gestaltenreihen des Alten Testaments hineinbegeben und waren bestrebt, ihr inneres und äußeres Leben den mosaischen Lehren genau anzupassen. Nicht nur, daß sie ihren Kindern, wie es Calvin vorgeschrieben hatte, mit Vorliebe all testamentarische Namen gaben, nein, sie lebten und webten auch in Allegorien und Visionen und sogar in einer Moralität, die aus dem Alten Testament stammten und ihm buchstäblich zu ent- 10* 47