Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Der Spruchdichter Süsskind von Trimberg
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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ständig eindringendem Denken, von edler, frömmer Gemütsart, einen Mann von aufrechter Haltung und Gesinnung, mit der er sich seiner Umgebung anschließt in allem, was Kunst und Beruf erfordern, der aber sein Stammeserbe in keiner Hinsicht verleugnet. Wir wissen, welch starkes Interesse die Juden den schönsten Werken der mittelhochdeutschen Literatur entgegenbrachten. Aber daß aus ihrem Kreise einer den wirkenden und wandernden .Sangeskünstlern sich zugesellte, dafür ist uns nur dieser Süßkind ein Beispiel, in dieser Zeit anscheinend ein Ausnahmefall. Was ihn dazu veranlaßt hat: eine hervorstechende Begabung für deutsches Singen und Sagen, die zur Betätigung drängte, die fördernde Bekanntschaft eines erfahrenen Meisters, das Wohlwollen eines einflußreichen hohen Herrn seiner Heimat, all das können wir vermuten, aber wir wissen nichts darüber. Hüten wir uns nur davor, seine Leistung zu überschätzen. Mit den Größen der mittelhochdeutschen Dichtung darf man ihn sicherlich nicht zusammenstellen. Aber er ist jedenfalls für diese Zeit eine — besonders kulturhistorisch — sehr interessante Persönlichkeit. 1. Wer adlig handelt, den will ich für edel halten, wenn man auch seines Adels nicht achtet gegenüber einer Adelsurkunde, sieht man doch Rosen hervorwachsen aus dem Dome. Wo sich der Untugenden viel zu dem Adel mischt, 9 129