Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Der Spruchdichter Süsskind von Trimberg
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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dergenossen dichtete; auch die personifizierende Allegorisierung ist Stilmittel jener Zeit. Er spricht von der Not seines Hauses, von seinem Mangel an Nahrung und Kleidung, von seinen Kindern, die er nicht sättigen kann. In dem Spruch, der ankündigt, daß Süßkind wegen der mangelnden Freigebigkeit der Herren nicht mehr den höfischen Sang pflegen will, spricht er von seiner zukünftigen Lebensweise: nach Art der alten Juden will er sich führen. Wenn er dabei vom demütigen Gang spricht, so kann man vielleicht annehmen, daß die Woge des Hasses auch den Kreis, dem er durch Geburt und Heimat angehörte, schon berührt hatte. Denn die tolerante Gesinnung, wie sie in der Blütezeit mittelalterlicher Dichtung geherrscht hatte, beschränkte sich damals wohl nur noch auf sehr vereinzelte Inseln des Friedens. Hinsichtlich der äußeren Erscheinung Süßkinds mag, wer will, sich an das Phantasiebild des Schweizer Malers halten. Nur wird Süßkind noch nicht den spitzen Judenhut, gefordertes Erkennungszeichen einer etwas späteren Zeit, getragen haben, und sicher war er nicht so reich gekleidet, wie ihn der Maler, der ihn einem Vertreter der hohen Geistlichkeit gegenüberstellt, aus künstlerischen Gründen ausstattet. Die Ausbeute zur Charakteristik des Dichters aus seinen 12 uns überlieferten Strophen ist nicht sehr ergiebig. Aber wir glauben doch eine sympathische Persönlichkeit zu erkennen von selb- 128