Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Der Spruchdichter Süsskind von Trimberg
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3111067-3111128-3119352--7978-3119535- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Mangel nicht, und gerade aus diesem Spruch scheint ein Wort, das den unermüdlichen Fleiß der Frau i rühmt, bei ihm haften geblieben zu sein. Wenn nun auch die Bibel zum Pflichtwissen der gebildeten Fahrenden gehörte, so glaube ich in diesem Falle doch, daß diese Wendung bei Süßkind aus dem jüdischen Erlebniskreise stammte. Die uralt jüdische Gewöhnung hat gewiß die Äußerung des Mitgefühls mit dem Armen veranlaßt, dessen Lage und Art der Reiche nicht hochmütig übersehen sollte , (Gedicht 9). Und wenn, wie es wahrscheinlich ist, die Berufsgenossen ihm tadelnd zuweilen von wuchernden Juden gesprochen haben, so kann er darauf hinweisen, daß Tugend oft nur ein Ergebnis des Zwanges ist, oft nur aus der Unmöglichkeit, anders handeln zu können, sich ergibt; daß anderseits der Wucher der Juden (die Sittenprediger der Zeit klagten damals über die zunehmende Habgier in allen Kreisen) bittere Notwendigkeit sei, da er ihnen als einziges Mittel zur Selbsterhaltung auf gezwungen sei (Gedicht 8). Mit Schärfe zeigt er das auch vergleichend bildlich in einem Fabel - spruch vom Wolf, dessen Rauben Naturzwang sei (Gedicht 12). Über die Lebensumstände des Dichters verraten uns seine Verse sehr wenig (Gedicht 10, 11). Gern hätten wir gewußt, wo er als Jude die Kunst des Sagens und Singens erlernt hat. Darüber erfahren wir leider nichts. Von seiner Armut berichtet uns der Heischespruch, den er nach der Art seiner Wan- 127