Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Der Spruchdichter Süsskind von Trimberg
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 3)
- Language
- German
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dem Adel, der nur durch die Adelsurktmde sich erweist (Gedicht 1). -i ’; ■ Die Tugendlehre der Zeit vertritt ei* nach üblichem Muster (Gedicht 2); wie seihe- Sangesgenössen weiß er das kostbare Gut de!r -Freiheit des Gedankens zu schätzen, die durch nichts, nicht durch Mauern, durch Eisen und Stahl, noch durch Herrschergewalt verhindert werden kann (Gedicht 4). Der Todesgedanke in mittelalterlicher Ausprägung im Hinblick auf das Endgeschick des menschlichen Leibes wird bei ihm in ähnlicher Weise geäußert wie von den andern (Gedicht 3 und 7). Doch hat man schon etwas Jüdisches darin erkennen wollen, wenn er sagt, daß „kein heiliger, weiser Prophet“ gegen den Tod schützen könne. Das Eigene und für Süßkind Charakteristische offenbart sich natürlich am deutlichsten im Religiösen. Wenn er die schenkende Allmacht Gottes preist und die Schönheit des Abendhitnmels, die ihm gewiß bei mancher nächtlichen Wanderung ins Herz drang, so mag man einen Nachhall aus dem Mäariw-Gebet verspüren (Gedicht 5). In demselben Tone wie dieses schöne Gebet ist das Loblied auf die Ehefrau gedichtet (Gedicht 6). Sie ist die glückspendende Genossin des Mannes. Wenn Siißkind besonders stark betont, wie sie eine Schutz wehr gegen Sünden und Laster ist, vermißt man eigentlich ein Wort über ihre Bedeutung als Mutter; Der berühmte biblische Spruch von der escheth chajil hat diesen 126