Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Der Spruchdichter Süsskind von Trimberg
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 125 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Maler sich den jüdischen Dichter in seiner Phantasie vorgestellt hat. In der Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland (Jahrgang 7 Heft 3) habe ich die einzelnen Strophen nach der Handschrift mitgeteilt und eingehend besprochen. Für den weiteren Leserkreis dieses Jahrbuches gebe ich hier eine genaue Übersetzung dieser Gedichte aus dem Mittelhochdeutschen, (das besonders dann oft falsch verstanden wird, wenn die Wortform dem Neuhochdeutschen ähnelt,) nur nach dem Wortsinn ohne Rücksicht auf den Rhythmus. Die künstlerische Eigenart kann man natürlich nur an der Urform der Gedichte erkennen, deren echte Gestaltung durch Fehler der Überlieferung nicht erheblich beeinträchtigt zu sein scheint. Hier werde nur versucht, aus seiner Dichtung die Gedanken- und Gefühlswelt dieses jüdischen fahrenden Sängers nach Möglichkeit zu erkunden. Nichtjüdische Kenner haben festgestellt, daß Sprache und Kunstform den Juden nicht verraten. Wenn man bedenkt, daß Süßkind wie seine Sangesgenossen diese Gedichte dem christlichen Adel vortrug, so wird man verstehen, daß diese Sprüche nicht nur in der Formung, sondern zum Teil auch im gedanklichen Gehalt den Dichtungen seiner Genossen völlig ähneln. Mit ihnen findet er — es war auch damals schon ein alter Gedanke —, daß Adel nicht durch Herkunft, sondern durch sittliches Handeln begründet wird; er schätzt den Adel, der sich durch edles Tun bewährt, gegenüber einem „Zettel“, 125