Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Israel in Ägypten
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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lehrer einschärfen, vor allem lernen „den Rücken zu krümmen“. Die Gnade des Pharao war die höchste Seligkeit, und kein von ihr Beglückter versäumt es, sich auf der Grabschrift dessen zu rühmen. Von Staatsgesinnung, Patriotismus, Bürgertugend findet sich keine Spur. InÄgypten ist im absoluten Sinne der König der Staat. Die Unterwürfigkeit, mit der man ihm nahte, die ausschweifende Schmeichelei, mit der man zu ihm und von ihm redete, krümmte nicht bloß die Rücken, sondern auch die Seelen und die Sprache, die zu Manier und Unnatur, geschwollen und verlogen wird. Der König verrichtet ganz persönlich die größten Heldentaten, es gibt nie eine Niederlage, alles Unangenehme wird totgeschwiegen, so daß ganze Epochen im Dunkel liegen. Nichts wird schlicht und sachlich ausgedrückt. Bis auf wenige volkstümliche Sachen ist die ganze ägyptische „Literatur“ unerträglich, und ein einziges Blatt der Bibel wiegt oft genug alles auf, was jemals in Hieroglyphen auf Stein, Holz und Papyrus geschrieben worden ist. In einer grenzenlosen Schreibwut bedeckte man die Flächen mit allen möglichen und unmöglichen Nachrichten über alles im Himmel, auf der Erde und in der Unterwelt, nur von ägyptischem Recht und Gesetz hat man fast keine Zeile auf die Nachwelt kommen lassen — wohl aber in dem Volke Israel einen Zeugen der Ungerechtigkeit. In dreitausend Jahren pharaonischer Herrschaft ist aus diesem Lande keine einzige erhebende Lehre, 95