Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Israel in Ägypten
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 9)
- Language
- German
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vielfältige Technik in Metallen, Elfenbein, Glas, Holz und Geweben war entwickelt, Landwirtschaft, Handwerke und Gewerbe blühten und unermeßliche Reichtümer sammelten sich an. Mit seiner Lebensader, dem Nil, war Ägypten ein wohlgeordneter Staat mit einer bis ins; Kleinste gehenden Verwaltung, und Denkmäler, Inschriften und Papyri unterrichten über alle Einzelheiten des öffentlichen und privaten Lebens. Aber diese ganze Kultur hatte keine seelische Größe. Sie beruhte ganz und gar auf gewissen ungeheuerlichen Wahnvorstellungen und war nur möglich gewesen, indem das höchste irdische Gut des Menschen, die persönliche Freiheit, das Recht des Individuums mit Füßen getreten wurde. Sie kannte keine Achtung der Menschenwürde, keine Humanität, geschweige denn Liebe. Für wen waren all ihre Werke? Insoweit sie nicht durch das Bestreben, das Leben angenehmer zu machen, hervorgerufen waren — für die „Götter“, die Toten, den König. Die Vorstellungen der Ägypter über die höchsten Dinge waren so verworren und abstrus, daß die besten Kenner daran verzweifeln, in diesem Chaos Ordnung und Sinn zu finden. Die unbegreiflichste, durch keine geschichtliche oder philosophische Deutung zu beschönigende Verirrung war der Tierdienst, die göttliche Verehrung von Stieren, Schakalen, Katzen, Geiern, Falken, Ibissen, Krokodilen, Schlangen, Mistkäfern. Das Jenseits wurde als eine Fortsetzung des Dies- Q2