Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Israel in Ägypten
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 3)
- Language
- German
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erzählt, wie es für diese Absicht am geeignetsten ist. Darum genügt z. B. „Pharao“. Was konnte dem Israeliten daran liegen, ob er Tutmosis oder Amenophis oder Ramses hieß? Und die Art der Darstellung her rechtigt nicht, von „naiv ausschmückender Sage“ oder gar von gänzlicher Erfindung zu reden. Die Erzählung ist alles eher als eine naive Sage. Sie ist ein höchst bewußtes, kunstvoll ausgestaltetes Epos, das nur von einem Geiste ersten Ranges konzipiert sein kann — zum größten Ruhme Gottes, nicht etwa Israels, das darin keineswegs immer eine rühmliche Rolle spielte. Nun berichten zwar die ägyptischen Originalquellen (denn griechisch-römische Schriftsteller aus späterer Zeit haben kein Gewicht) über den Aufenthalt „Israels“ in Ägypten nichts. Aber das will nichts besagen. „Zwar ist ein ungeheures Material von Inschriften und Papyri erhalten, aber nur ein verschwindend kleiner Teil ist historisch verwendbar. Dazu kommt, daß wir in den ägyptischen Quellen wohl nie etwas von einem Ereignis lesen würden, welches den ägyptischen Nationalstolz verletzen würde.“ (Spiegelberg, der Aufenthalt Israels in Ägypten S. 16 f.). Für den ägyptischen Staat, meint derselbe Ägyptologe, war der Auszug Israels ebenso gleichgültig, wie für den römischen die Kreuzigung Jesu, über die uns keine Inschrift, kein römischer Schriftsteller berichtet hat, weil das für den Christen weltgeschichtliche Ereignis damals nur lokales Interesse beanspruchen konnte. Die christlichen Gelehrten sagen gewöhnlich, die Knechtschaft 86