Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 31 (1938)
- Article
- Israel in Ägypten
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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gelebt? Diese Fragen mit historischer Exaktheit zu beantworten, hat die Exegese weder die Mittel noch die Aufgabe. Sie hat vielmehr durch die nicht von fremden Rücksichten geleitete Erklärung ihres Textes festzustellen, was er selbst sagen wollte und zu verhüten, daß er für irgendeine Wissenschaft falsch gedeutet und bewertet werde. Daß die Tora nicht eine chronistisch vollständige, mit Namen und Daten belegte Geschichte geben wollte, liegt für jeden Leser auf der Hand. Lange Zeiträume werden vollständig übergangen und das Meiste drängt sich auf ganz kurze zusammen. Aus den Jahrhunderten zwischen Joseph und Mose vernehmen wir kein Wort, nur die Nachricht, daß sich die Israeliten inzwischen sehr vermehrt hatten, von den 40 Jahren der Wüstenwanderung werden 38 einfach übersprungen. In ihre eigene Chronologie hat die Tora zwar die Ereignisse wohlbedacht eingeordnet, aber auf eine andere wird nie Bezug genommen, keiner von den Königen Ägyptens wird mit Namen genannt, alle heißen nur Pharao. Es ist ausschließlich ein volkspädagogischer religiösnationaler Zweck, zu dem die Tora von Ägypten erzählt: Israel sollte die große Hand des wahren Gottes gesehen haben, der es aus Knechtschaft und Todesnot erlöste, indem er Ägypten vernichtend schlug; diesen Gott sollte es fürchten, ihm vertrauen und willig werden, Sein Volk zu sein und Seinen Geboten zu gehorchen. Nur das, worauf es für diesen Zweck ankam, wird zu ewigem Gedächtnis erzählt und in solcher Weise 85